Durch den Shift ins Digitale konnte MUTABOR Mitarbeiter halten und Kunden gewinnen.

PAGE 04/21: ….»Strategie, Branding, Architektur, Live-Experience, Digital – das sind die Standbeine der Agentur Mutabor in Hamburg. Entsprechend erlebte sie die Pandemie in allen Facetten. In China geplante Messen wurden schon im November 2019 abgesagt, und auch 2020 brachen dort viele Aufträge weg. In den anderen Disziplinen gab es zunächst verhaltene Kunden, die im dritten und vierten Quartal aber ihre Vorsicht ablegten und dafür sorgten, dass das Geschäft sogar wuchs. So vergrößerte sich das Mutabor-Digitalteam von 20 auf 30 Personen – fast ausschließlich aus den eigenen Reihen.

»Statt Leute einzustellen, haben wir Mitar­beiter umgeschult und ihnen neue Perspek­tiven im Digitalteam angeboten«, berichtet Burkhard Müller, Chief Digital Officer bei Mutabor. Dank großer Lernbereitschaft und hoher Motivation funktionierte das gut. »Wir sind nun so interdisziplinär wie nie zu vor, die Arbeitsergebnisse sind im positiven Sinne überraschend.«

Alle Teams betreuen inzwischen digitale Projekte und nutzen die Vorteile digitaler Workflows:

Das Interfacedesigntool Figma wird nun auch im Branding mit Pair-Designing, bei dem zwei oder mehr Designer in Echtzeit am selben Modul gestalten, genutzt, und die Architekten entwickeln virtuelle Räume inklusive aller Interaktionen. »Innerhalb von ein paar Monaten haben sie sich alle dafür nötigen Skills angeeignet – Wahnsinn, was unter Druck alles möglich ist!« Und doch war es eine harte Zeit. »Wir haben umstrukturiert, was ging. Für viele Kollegen war es natürlich heraus­for­dernd, sich zu verändern. Wir hatten Kurz­arbeit – die zum Glück nun auch in den letzten Bereichen ausläuft«, so Müller.

Nach einem Jahr Corona sind digitale Work­flows nicht nur für Mitarbeiter, sondern auch für Kunden längst Routine, Kollaborations­tools wie Figma oder Miro – aber auch Projektmana­gement­software wie Jira gehören zum Alltag und machen Prozesse für alle Beteiligten viel transparenter als vor Corona. Sorgen bereitet Burkhard Müller etwas anderes: »Die Qualität unserer Arbeit leidet nicht unter der Situation, wohl aber die emotionale Bindung. Das soziale Umfeld, das das Agenturleben ausmacht, fehlt.« Da durch die Arbeit im Homeoffice vieles wegfällt, was einen an die Agentur und das Team binde, befürchtet er, Mitarbeiter zu verlieren.

Im Juni vergangenen Jahres hatte sich Burkhard Müller eine bessere Fehlerkultur gewünscht – tatsächlich beobachtet er eine größere Empathie füreinander. »Wir gehen mit Fehlern ruhiger um. Nicht zu verwechseln mit ›nachlässig‹, wir haben einfach gemerkt: Es darf auch mal richtig schlecht laufen, wir bekommen es trotzdem hin.« Und noch etwas Gutes kann Müller der Krise abgewinnen: »Die Agentur ist deutlich nachhaltiger geworden. Nicht nur durch weniger Reisen und weniger Müll, auch weil wir uns alle viel achtsamer verhalten.«