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Heinrich Paravicini
Executive Partner bei MUTABOR, Präsident ADC Germany

Wenn Deutschlands Industrie Innovationen, neue Verfahren oder Produkte entwickelt, werden Designer meist erst dann gefragt, wenn alles entschieden ist und man ein visuelles Gesicht für die Innovation braucht. Das ist viel zu spät.

Natürlich hat inzwischen schon jedes kleine mittel­ständische Unternehmen einen Design Thinking Workshop gemacht – gehört ja mittlerweile zum guten Ton. Geändert hat dies an der Silo-Denke der meisten Unternehmen und Konzerne allerdings wenig. Hiesige Unternehmen folgen oft immernoch einer streng hierarchischen Kommunikationskultur. Es wird nicht miteinander geredet, sondern man redet nacheinander von Hierarchiestufe zu Hierarchiestufe – und schlimmstenfalls auch noch (schlecht) übereinander. R&D, Strategie, Marketing, Qualitätsmanagement, Finance, Fertigung etc. jeder arbeitet an seinen Tasks, das Management gibt alles vor. Und am Schluss, wenn alle KPIs erfüllt sind und der Vorstand grünes Licht gibt, werden Designer dazugeholt, die dem Ganzen dann eine Form geben sollen. Dann ist es allerdings schon zu spät, weil vielleicht wichtige Entscheidungen falsch und am Markt vorbei getroffen wurden – und weil die moderieren­de Beschleunigung im Prozess gefehlt hat. So dauern Entwicklungen viel zu lange und »time to market« wird zu »eternity to market«.

Designer sind keine »Hübschmacher«, sondern ganzheitliche vernetzte Denker
Ich glaube: Statt Design-Thinking Methoden solchen Menschen überzustülpen, die ein ganz anderes Mindset oder in ihrer Organisation ganz andere Aufgaben haben, sollten Unternehmen viel früher Designer als Partner in ihre Entwicklungsprozesse einbinden. Denn Designer sind keine Hübschmacher, sondern ganzheit­liche vernetzte Denker, die in jedem Entwicklungs­prozess eine moderierende Rolle einnehmen können. Sie vereinen den Blick von Innen und Außen und denken in haptischen Lösungsansätzen – dabei haben sie immer den Menschen im Blick, nicht die Produk­tions­anlagen. Am Ende entstehen dadurch Produkte und Services, mit denen sich Menschen gerne beschäftigen, ergo diese auch gerne kaufen.

Immer mehr Unternehmen öffnen sich für designgetriebene Entstehungsprozesse
Blickt man nach Silicon Valley oder Shenzen wird man feststellen, dass dort schon seit 15 Jahren genauso gearbeitet wird. Teamwork von Unternehmen, Partnern sogar Wett­be­werbern ist normal, wenn dies Geschwin­dig­keit verspricht und dem Projekterfolg dient. Und Designer sind nicht nur im Creative Service oder der Designabteilung zu finden, sondern sind fester Bestand­teil der meisten Entwicklungsteams. Viele von ihnen sind Externe.

Insbesondere aus Asien häufen sich in den letzten Jahren die Anfragen, deutsche Designer in deren Prozesse zu integrieren. In China und Korea ist man der Ansicht, dass der Beitrag (deutscher) Designer offenbar einen hohen Wert besitzt. Über die Schnelligkeit des chinesischen Marktes und seiner Innovationskraft muss hier kein Wort verloren werden.

Und in Deutschland? Zum Glück wandelt sich die Auftraggeberkultur auch hierzulande gerade: Immer mehr unserer Kunden öffnen sich für designgetriebene Entstehungs­prozesse, sind offener für strategisch mutige Entscheidungen und für kollaboratives Arbeiten, Coworking-Prozesse und Co-Kreationen. Da geht die Reise hin.